Praxis 18. März 2026 6 Min. Lesezeit von Oliver Misch

llms.txt: die Datei, von der kaum jemand weiß

Eine simple Textdatei im Stammverzeichnis Ihrer Website, die KI-Crawlern erklärt, wer Sie sind. Kostet eine Stunde, schadet nie, und könnte zu den Signalen gehören, die in den nächsten Jahren wachsen. Hier steht alles, was Sie dazu wissen müssen.

Was die llms.txt ist

Die llms.txt ist eine einfache Textdatei im Markdown-Format, die im Stammverzeichnis einer Website liegt, erreichbar unter ihrer Adresse plus /llms.txt. Sie tut für KI-Systeme, was die robots.txt seit Jahrzehnten für Suchmaschinen tut, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Die robots.txt sagt Crawlern, was sie nicht dürfen. Die llms.txt sagt ihnen, was sie wissen sollen. Sie enthält in Klartext, wer hinter der Website steht, was das Unternehmen tut und welche Seiten die wichtigen sind, jeweils mit einem Satz Kontext.

Vorgeschlagen wurde der Standard 2024 vom australischen Entwickler Jeremy Howard, Mitgründer des KI-Unternehmens Answer.AI. Die Idee dahinter ist bestechend einfach: Sprachmodelle haben begrenzte Aufmerksamkeit pro Anfrage, und moderne Websites bestehen aus Ballast, der für Maschinen mühsam zu verarbeiten ist: Navigation, Skripte, Werbeblöcke, Design-Gerüste. Eine kompakte, kuratierte Selbstbeschreibung erspart der Maschine das Graben und dem Betreiber das Missverständnis. Kaum jemand weiß bisher von dieser Datei, und genau darin liegt gerade die Chance.

Was hineingehört

Der Aufbau ist bewusst schlicht. Zuerst eine Überschrift mit dem Namen des Unternehmens oder Projekts. Darunter ein kurzer Beschreibungsblock: wer Sie sind, was Sie anbieten, für wen und wo. Danach folgen die wichtigen Seiten als Linkliste, thematisch gruppiert und jeweils mit einer Zeile Erklärung, was die verlinkte Seite enthält. Am Ende die Kontaktdaten. Für unsere eigene Website sieht das sinngemäß so aus: eine Beschreibung dessen, was KI-Sichtbarkeit ist und dass wir sie für Unternehmen in Deutschland aufbauen, dann die Leistungsseiten mit je einem erklärenden Satz, dann Wissen und Glossar, dann Telefon und Mail.

Genauso wichtig ist, was nicht hineingehört: Werbetext. Eine llms.txt voller Superlative ist wertlos, denn sie soll einer Maschine Fakten liefern, keine Stimmung. Schreiben Sie die Datei so, wie Sie einem sachlichen Kollegen Ihr Unternehmen beschreiben würden. Wenn Ihnen das schwerfällt, haben Sie nebenbei etwas Wichtiges über Ihre Kommunikation gelernt, und zwar genau das, was wir auf der Seite Inhalte & Daten beschreiben: Zitierfähigkeit beginnt bei der Fähigkeit, klar zu sagen, was ist.

Was sie realistisch bringt: die ehrliche Einordnung

Jetzt der Teil, den Ihnen Verkäufer gern verschweigen. Die llms.txt ist ein junger, freiwilliger Standard. Es gibt keine öffentliche Zusage der großen Anbieter, die Datei systematisch und mit festem Gewicht auszuwerten. Beobachten lässt sich, dass KI-Crawler die Datei abrufen, wenn sie existiert, und dass Werkzeuge und Plattformen den Standard zunehmend unterstützen. Ob eine llms.txt heute den Ausschlag gibt, ob Ihr Unternehmen genannt wird: vermutlich nicht allein.

Warum wir sie trotzdem in jedem Projekt anlegen, hat drei Gründe. Erstens die Kostenrechnung: eine Stunde Aufwand, null laufende Kosten, null Risiko. Bei diesem Einsatz lohnt sich schon eine kleine Chance auf Wirkung. Zweitens die Richtung: Der Bedarf, dem die Datei begegnet, wächst mit jedem KI-System, das Websites liest. Standards dieser Art werden mit der Zeit eher wichtiger, und wer früh dabei ist, muss später nichts nachholen. Drittens der Nebeneffekt, der völlig unabhängig von Crawlern wirkt: Die Datei zwingt Sie, Ihr Unternehmen einmal in nüchternen, klaren Sätzen zu beschreiben. Diese Sätze sind die Rohform Ihrer zitierfähigen Kernaussagen, und die brauchen Sie ohnehin an jeder anderen Stelle Ihrer Außendarstellung.

Die drei häufigsten Fehler

Fehler eins: Die Datei wird einmal angelegt und nie wieder angefasst. Eine llms.txt mit veralteten Leistungen oder toten Links ist schlimmer als keine, denn sie liefert der Maschine selbstbewusst falsche Fakten. Die Datei gehört in denselben Pflegezyklus wie die Sitemap.

Fehler zwei: Sie wird als Werbefläche missverstanden. Superlative, Ausrufezeichen, Marketingclaims. Die Maschine kann damit nichts anfangen, und falls sie es kann, lernt sie das Falsche, nämlich dass Ihre Quelle Stimmung statt Fakten liefert.

Fehler drei: Die Datei widerspricht der Website. Wenn die llms.txt andere Leistungen nennt als die Leistungsseiten oder eine andere Telefonnummer als das Impressum, haben Sie das Konsistenzproblem, das wir im Beitrag über die Quellenauswahl der KI beschrieben haben, mit eigener Hand vergrößert. Die Datei muss aus denselben Fakten gebaut sein wie alles andere.

Selbst machen oder machen lassen

Sie können eine llms.txt heute Nachmittag selbst anlegen, und wir ermutigen Sie ausdrücklich dazu. Schreiben Sie die Beschreibung, listen Sie Ihre zehn wichtigsten Seiten mit je einem Satz, setzen Sie die Kontaktdaten ans Ende, laden Sie die Datei ins Stammverzeichnis. Fertig. Was wir in unseren Paketen zusätzlich tun: die Datei aus der Analyse heraus formulieren, sie konsistent mit allen anderen Datenquellen halten und sie bei jeder inhaltlichen Änderung mitpflegen. Aber der erste Schritt braucht keine Agentur. Er braucht eine Stunde und die Bereitschaft, das eigene Unternehmen in klaren Sätzen zu beschreiben.

Oliver Misch, Autor dieses Beitrags und Geschäftsführer der medienplus GmbH
Oliver Misch

Geschäftsführer der medienplus GmbH

„Die llms.txt ist die einzige Maßnahme in unserem Katalog, die ich jedem Unternehmen empfehle, bevor überhaupt ein Vertrag im Raum steht. Weil sie fast nichts kostet und die Denkweise dahinter alles Weitere verständlich macht.“

Eine Stunde Arbeit selbst machen oder mitmachen lassen?

In unseren Paketen ist die llms.txt Teil der technischen Grundausstattung, zusammen mit allem, was darüber hinausgeht.